Profi-Sprech bei der Weinverkostung: „Depot“

Haben Sie in Ihrem Rotwein schon einmal kleine Krümel entdeckt, die ein bisschen an Kaffeesatz erinnern? Wer es nicht besser weiß, würde einen mangelhaften Tropfen vermuten, wenn er zum ersten Mal dieses sogenannte Depot im Wein entdeckt. Was sich dahinter genau verbirgt und wieso es keinen Grund zur Beanstandung gibt, erklären wir im zweiten Teil unserer „Profi-Sprech“-Serie.

Das Depot ist ein Zeichen natürlicher Reife

Das Depot ist das Ergebnis eines natürlichen Prozesses. Wenn ein Rotwein über längere Zeit in der Flasche gereift ist, können Ablagerungen entstehen. Daher auch der französische Begriff Depot. In der Regel entsteht ein Depot erst nach circa acht Jahren. Es sammelt sich bei stehender Lagerung am Boden und bei liegender Lagerung in einem Streifen an der Flaschenseite an. Fachleute sprechen deshalb auch von Niederschlag.

Was genau sammelt sich im Wein an?

Durch die jahrelange Lagerung lösen sich Farb- und Gerbstoffe aus dem flüssigen Wein und setzen sich als feste Stoffe ab. Auch bei Weißwein kann sich mit der Zeit ein Niederschlag bilden: Aufgrund fehlender Farbstoffe und Tannine zeigt sich dieser in Form von kleinen Kristallen. Dieses Phänomen nennt man Weinstein. Weinsäurekristalle können sich bei Rotwein zusätzlich in den Bodensatz mischen.

Der geschmack- und farblose Weinstein hat keine Auswirkungen auf die Qualität oder den Trinkgenuss des Weins. Auch das Depot im Rotwein ist in der Regel unschädlich. Mitunter kann es aber sehr bitter schmecken. Insbesondere gehaltvolle, gerbstoffreiche Rotweine, die im Eichenfass ausgebaut wurden, können ein dominantes Depot aufweisen. Deshalb den Wein nur vorsichtig ins Glas gießen oder mithilfe eines Dekanters den flüssigen Wein vom Bodensatz trennen. Eine Ausnahme bilden alte Burgunderweine: Ihr Depot schmeckt süßlich und kann je nach Geschmack durchaus zum Trinkgenuss beitragen.

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