Weinwissen: Ist lange gelagerter Wein automatisch besser?

 

Alter Wein gleich guter Wein – ist das wahr? Wir flüstern Ihnen, ob sich diese allgemein verbreitete Annahme wirklich bestätigt oder ob es sich dabei um ein Märchen handelt.

Werden Weine mit dem Alter wirklich besser? Dieses Vorurteil hält sich hartnäckig und beinhaltet weiterhin, dass ein Wein nach einer Lagerzeit zwischen 10 und 20 Jahren besonders edel und wertvoll wird. Es gibt viele Weinfreunde, die ihre Weine lagern, um in einigen Jahren einen besseren, teureren Wein in der Hand zu halten. Doch werden die mit Hingabe gelagerten Weine im Weinkeller mit den Jahren tatsächlich immer hochwertiger, immer gehaltvoller? Nein. Warum das so ist, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.

Wein lange lagern: Nicht alle Weine werden besser

Fakt ist: Die meisten Tropfen sollten jung genossen werden. Ja, über 90 Prozent aller Weine sind nicht für eine jahrelange Lagerung vorgesehen und schmecken nach einem langen Zeitraum eher schal. Weine werden heutzutage so ausgebaut, dass sie von Anfang an schon ihre optimale Trinkreife besitzen. Nur wenige Weine gewinnen durch lange Lagerzeiten an Geschmack. Tatsächlich können nur zwischen drei und zehn Prozent der Weine von einer langen Lagerung profitieren. Alle anderen Weine können Sie nach maximal zwei Jahren entsorgen, weil sie nicht mehr genießbar sind.

Reifeprozess: Was passiert beim Lagern?

Was viele nicht ahnen: Die Alterung eines Weines ist ein chemisch komplexer Prozess. Zu den wichtigsten verantwortlichen Faktoren gehören etwa die Molekülverbindungen von Gerbstoffen und Farbstoffen im Wein sowie die Oxidationsprozesse oder der Umbau der Alkohole.

Je mehr Tannin der Wein enthält, desto besser kann er auch gelagert werden. Auch Weine mit einem optimalen Schwefelgehalt, pH-Wert oder Alkoholgehalt halten länger. In diesen Fällen handelt es sich um sogenannte lageroptimierte Weine, die zwar mehr Zeit für ihre Reifung benötigen, aber auch dementsprechend länger haltbar sind.

Große Flasche? Auch das ist ein Indiz für ein hohes Lagerpotenzial. Kleine Flaschen halten ihren Inhalt meistens nicht so lange frisch. Eine Ausnahme: Auslesen und Trockenbeerenauslesen in kleinen Flaschen halten häufig jahrzehntelang.

Weinsorten: Welche Weine können lange gelagert werden?

Viele Weinfans denken, dass vor allem Rotweine nach einer langen Lagerung immer besser werden. Aber: Nicht alle Weine eignen sich wirklich dazu, viele Jahre im Keller zu verweilen. Grundsätzlich gilt jedoch Folgendes:

  • Fruchtige Weißweine (z.B. Silvaner oder Sauvignon Blanc) eignen sich nicht dazu, sie lange aufzubewahren. Trinken Sie diese Weinsorten lieber jung.
  • Hochwertige Weißweinsorten wie etwa ein trockener Riesling oder ein guter Chardonnay können auch nach bis zu 20 Jahren noch getrunken werden. Ihr tendenziell hoher Säuregehalt begünstigt eine längere Lagerung.
  • Bordeaux-Weine sollten mindestens fünf Jahre gelagert werden, bis sie gekostet werden können und ihre Trinkreife erreicht haben. Diese Rotweine können Sie ohne Probleme mehrere Jahrzehnte im Weinkeller aufbewahren.
  • Burgunder und Cabernet Sauvignon können lange Lagerzeiten verkraften, da sie viele Gerbstoffe beinhalten. Diese Gerbstoffe haben eine konservierende Wirkung auf den Wein.
  • Im Barrique (Eichenfass) ausgebaute Weißweine und Rotweine sind generell länger haltbar und können besser eingelagert werden.

 

Wein richtig einlagern – so geht’s

Sie haben einen lagerfähigen Wein? Prima. Nun sollten Sie sich Gedanken um die optimalen Lagerbedingungen machen. Denn es ist nicht ratsam, die Flasche einfach so in den Keller zu stellen oder in irgendeiner Kiste zu verstauen. Auch ein besonders hochwertiger, lagerfähiger Bordeaux wird nicht schmecken, wenn er jahrelang falsch gelagert wurde. Wählen Sie einen kühlen, dunklen und trockenen Raum für die Weinlagerung aus – oder optimalerweise einen Weinklimaschrank. Außerdem sollten Sie diese Tipps beachten:

  • Lagern Sie den Wein horizontal: Wenn der Wein horizontal liegt, wird der Korken immer ausreichend befeuchtet und es tritt nur wenig Sauerstoff in die Flasche ein. Wird der Wein nicht horizontal gelagert, trocknet der Korken aus und es tritt kontinuierlich Sauerstoff ein. Dadurch wird der Wein bereits nach ein paar Monaten ungenießbar. Bei einem Schraubverschluss, Glas- oder Kunststoffkorken, können Sie die Flasche stehend lagern. Es kann kein Sauerstoff durch den luftdichten Verschluss in die Flasche treten.
  • UV-Licht vermeiden: Sonneneinstrahlung kann dem Wein stark schaden und die Haltbarkeit des Getränks immens verkürzen. Das ist übrigens auch der Grund, warum Weinflaschen nur ganz selten aus durchsichtigem Glas gefertigt werden und somit meistens grün, schwarz oder braun sind.
  • Achten Sie auf eine optimale Luftfeuchtigkeit, damit kein Sauerstoff in den Wein gelangt und der Wein nicht verdirbt. Bei einer kurzen Lagerzeit sind 30 Prozent Luftfeuchtigkeit ausreichend, bei einer langen Lagerzeit sollte die Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 80 Prozent liegen. Dies dient hauptsächlich der Haltbarkeit des Korkens und der Etiketten.
  • Halten Sie die Raumtemperatur konstant auf demselben Niveau. Eine kühle Lagertemperatur begünstigt den Reifeprozess. Soll der Wein mehrere Jahre lagern, ist eine Temperatur zwischen acht und 12 Grad empfehlenswert. Wird der Wein allerdings weniger als ein Jahr aufbewahrt, kann die Temperatur bis zu 20 Grad betragen.
  • Vermeiden Sie regelmäßige Erschütterungen, sonst wird das Depot des Weines (aus Farb- und Gerbstoffen) zu sehr aufgewirbelt. Keine Bange: Eine oder zwei Erschütterungen werden nicht zu einem Qualitätsverlust des Weines führen. Doch wird das Depot immer wieder aufgewirbelt, kann das negative Auswirkungen auf den Reifeprozess haben – und auf den Geschmack. Zu vermeiden sind deshalb Räume an viel befahrenen Straßen oder mit in der Nähe stehenden Waschmaschinen.

 

Weitere Details über das richtige Lagern des Weines finden Sie hier.

 

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