Zeit zum Anstoßen! Der kleine Wein-Knigge

Freiherr Knigges „Über den Umgang mit Menschen“ wird heut gern als Regelwerk für korrektes Benehmen zitiert. Obwohl Knigge selbst damit nie die Tischsitten im Kopf hatte, berufen Benimmexperten sich auf seinen Namen. Zum Beispiel auch, wenn es um Wein geht. Mit welchen Worten Weinliebhaber am besten anstoßen, wie sie dabei das Glas in der Hand halten und welche Regeln es fürs Ein- und Nachschenken gibt, erklären wir hier.

Das Zuprosten: „Prost“ oder „Zum Wohl“?

Es gilt immer noch als höflich, beim Geschäftsessen oder bei einem privaten Dinner so lange mit dem Trinken zu warten, bis der Gastgeber oder der Einladende dazu auffordert. Vielleicht spricht er sogar noch einen kleinen Toast aus. In diesem Fall halten Sie das Glas zwar schon in der Hand, nehmen aber erst einen Schluck, wenn der Gastgeber dies ebenfalls tut.

Ein Weinglas greifen Sie stets am Stiel. Bei kleineren Kelchen genügen zwei Finger, bei größeren sind auch drei Finger am Stiel in Ordnung. Wenn Sie den Kelch mit der Hand umschließen, erwärmen Sie nicht nur den Wein, Sie hinterlassen auch unschöne Fingerabdrücke auf dem Glas. Außerdem ist so der Klang beim Anstoßen auch viel schöner.

Doch das Gläserklirren sollte nicht in großer Runde zelebriert werden. Bei bis zu sechs Personen dürfen Sie reihum anstoßen. In großer oder sehr formeller Runde ist es vornehmer, das Glas zu heben, sich zuzunicken und zuzuprosten. Der Blickkontakt ist beim Zuprosten obligatorisch.

Mehr Schwierigkeiten bereitet die richtige Wortwahl: „Prost“ gilt als vulgär und andere Trinksprüche wie „Stößchen“ oder „Hau wech“ sind ebenfalls unangebracht und erinnern an feuchtfröhliche Volksfeste. Laut Benimmexperten stoßen Sie ohnehin nur mit Wein und Schaumwein an.

Keinen Fehler machen Sie mit den Worten „Zum Wohl!“ oder „Auf Ihr Wohl!“. Auch das englische „Cheers!“ passt in zwanglosen Kreisen sehr gut. Der Höflichkeit halber erwidern Sie immer den Trinkspruch, den der Gastgeber vorgibt.

Das Ein- und Nachschenken: Weniger ist manchmal mehr

Trinken Sie Wein nicht, um damit Ihren Durst zu löschen. Dafür gibt es Mineralwasser. Stattdessen nehmen Sie nur kleine Schlucke und genießen das Aroma des Weins. Sollte Ihr Glas leer sein, schenken Sie sich nicht selbst nach. In vornehmen Restaurants ist dafür das Servicepersonal, bei privaten Events der Gastgeber zuständig.

Wenn Sie selbst der Gastgeber sind, achten Sie darauf, die Gläser nicht zu voll zu machen: Weißwein und Rosé füllt ein Drittel oder die Hälfte des Glases, Rotwein etwas weniger. Sekt und Champagner können Sie bis auf zwei Drittel auffüllen, wenn sich der Schaum gesetzt hat, wie dieses Video zeigt. So hat das Bukett genügend Platz, sich zu entfalten. Wenn zu einem Menü mehrere Weine gereicht werden, so sollten Sie diese nicht durcheinander und immer aus dafür vorgesehenen Gläsern trinken.

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